Geschichte
Carl-Hasso von Bredow berichtete den Evangelischen Religionskursen der 9. und 10. Klassen sowie Schülern aus verschiedenen anderen Religionskursen über seine Eindrücke und Erfahrungen, die er in der Zeit des Nationalsozialismus sammelte und wie vor allem der Verlust seines Vaters sein weiteres Leben prägte.
Carl-Hasso von Bredow (84 Jahre
alt) ist der Sohn von Ferdinand von Bredow, der als Chef der Abwehr tätig
war, bis er im Jahr 1933 durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler seine
Position verlor. Die Nationalsozialisten wussten, dass er eine große
Gefahr für die Regierung sein könnte, da bekannt war, dass er ein
Gegner der Nationalsozialisten war und somit die Entwicklung bremsen wollte.
Ferdinand von Bredow verfügte außerdem über Einblicke in die
Vergangenheit von Personen, die später große Bedeutung in der Regierung
hatten. So hatte er z. B. Papiere, in denen ein Arzt Hitler die Unfähigkeit
eine führende Position zu übernehmen bescheinigte. Als Ferdinand
von Bredow, der über viele Auslandskontakte verfügte, zu einer Auslandsanreise
antreten wollte, holte man ihn auf Befehl von Göring bereits in Aachen
aus dem Zug und schickte ihn zurück nach Berlin. Später nutzte man
diesen Vorfall, um ihn als Landesverräter zu beschuldigen.
Ferdinand von Bredow hatte am Abend des 30.06.1934 erfahren, dass sein einstiger
politischer Weggefährte, der frühere Reichskanzder Kurt von Schleicher
von der Gestapo umgebracht worden war und er wurde von einem bekannten Diplomaten
vorgewarnt, dass er in äußerster Gefahr sei und sich in dessen
Botschaft flüchten solle. Er folgte diesem Rat jedoch nicht und blieb
bei seiner Familie. In der Nacht des 30.06.1934 stand dann die Gestapo vor
der Tür der Wohnung der Familie von Bredow, um Ferdinand von Bredow mitzunehmen.
Carl-Hasso von Bredow war gerade mal acht Jahre alt, als sein Vater zu ihm
kam und sich mit den Worten „Mach dir keine Sorgen, Papi kommt bald
wieder“ verabschiedete.
Es vergingen einige Tage, bis seine Mutter erfuhr, dass Ferdinand von Bredow
wahrscheinlich noch in derselben Nacht erschossen worden war. Das Einzige,
was dem Verwandten der Familie, der bei der Gestapo vorsprach, ausgehändigt
wurde, war die Urne des Ermordeten, die kurz darauf auf einem abgelegenen
Familienfriedhof in einem Gebiet der späteren DDR unter Überwachung
der Gestapo beigesetzt wurde. Wenige Tage später erließ Hitler
ein Gesetz, das alle Morde dieser Tage (zu denen auch die Beseitigung vieler
SA-Führer gehörte) aus Gründen der Staatsnotwehr für legal
erklärte.
Carl-Hasso von Bredow erzählte, wie sehr dieses Ereignis ihn und seine
Mutter bewegt hat. Er selbst sei zunächst zu Verwandten nach Schlesien
geschickt worden und er habe erst nach und nach herausbekommen, was tatsächlich
geschehen war. Als er dann später in Berlin wieder zur Schule gegangen
sei, habe er schon mit der Situation zurecht kommen müssen, dass er nun
als Sohn eines Landesverräters galt. Viele der einstigen Freunde hätten
sich von ihnen zurück gezogen und er hätte schon gewusst, dass er
den Nazis durch sein Verhalten keinen Anlass geben durfte, gegen ihn vorzugehen.
So habe er auch in die Hitlerjugend (HJ) eintreten müssen, aber er habe
das über sich ergehen lassen. Seine Mutter habe ihn aber auch gut unterstützt,
sie sei beispielsweise sehr einfallsreich gewesen, ihm Entschuldigungen für
die HJ-Veranstaltungen zu schreiben.
Auch der Gedenktag zur Reichspogromnacht habe im Zusammenhang mit dem Verlust
seines Vaters eine große Bedeutung für ihn, weil er ab diesem Tag
das Grab seines Vaters in der Nähe von Rheinsberg besuchen könne,
wann er wolle. Nachdem die Schüler viele Eindrücke in das Leben
von Carl-Hasso von Bredow bekommen hatten, konnten sie ihm nun einige Fragen
stellen, die sie noch beschäftigten.
Auf die Frage: „Wie war es für Sie, als Sohn eines Vaterlandsverräters
dargestellt zu werden?“, antwortete er, dass er anfangs noch nicht wirklich
über die Ereignisse informiert war, jedoch tauchten in seiner Schulzeit
immer wieder Fragen oder Verdächtigungen auf, aber sein Leben musste
weitergehen trotz dieses Vorfalls.
Eine andere interessante Frage war: „Warum ist Ihr Vater nach der Warnung
nicht in die Botschaft gegangen?“, worauf Carl-Hasso von Bredow sagte,
dass sein Vater sich nicht verstecken und somit seine Familie alleine lassen
wollte. Außerdem wurde gefragt: „Warum hat Ihr Vater die Papiere
nie gegen die Regierung verwendet?“, was Carl-Hasso von Bredow jedoch
nicht beantworten konnte. Die Schüler stellten noch viele andere Fragen
an den Zeitzeugen und zeigten viel Interesse an dem Thema.
Zum Abschluss verabschiedete sich Carl-Hasso von Bredow und fügte hinzu,
er hoffe, dass er es zum Ausdruck bringen konnte, wie es damals war und wie
man mit der Entwicklung leben musste. Die Schüler dankten ihm mit viel
Applaus für seinen Besuch an der Albert-Einstein-Schule.
Jessica Diesterbeck
Schülerin der 9.Klasse der Albert-Einstein-Schule


