Bericht über Zeitzeugengespräch mit Carl-Hasso von Bredow am 27.02.2009 an der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach

Der Führer war völlig führungsuntauglich

„Mach dir keine Sorgen, ich komme bald wieder“ verabschiedet sich der Vater, als er mitten in der Nacht vom 30. Juni auf den 01. Juli 1934 von der Gestapo abgeholt wird.

Auf Einladung der Albert-Einstein-Schule berichtete Carl-Hasso von Bredow (Bild 1 links, rechts: Erhardt Becker, Religionslehrer AES) über seinen Vater, den Generalmajor Ferdinand von Bredow und über seine Erfahrungen in der Nazizeit und stellte sich den Fragen der Schüler aus dem Grundkurs 13 Geschichte (Bild 2: Schüler) von Herrn Kocanda und dem Evangelischen Religionskurs 10 von Herrn Becker.
Ferdinand von Bredow, der im Reichswehrministerium als rechte Hand des späteren Reichskanzlers Kurt von Schleicher galt und als Chef der Abwehr tätig war, quittierte Anfang 1933 beim Regierungsantritt Hitlers seinen Dienst. Den Nationalsozialisten war seine Gegnerschaft bekannt. Zudem war er dienstlich mit der Vergangenheit späterer Nazi-Größen befasst und verfügte wohl auch über die brisanten Pasewalk-Protokolle, in denen ein Sanatoriumsarzt in einem Lazarett dem (infolge eines Gasangriffs) Kriegsversehrten Adolf Hitler eine Psychopathie mit querulatorischen Tendenzen und eine völlige Führungsuntauglichkeit bescheinigte.
Als Ferdinand von Bredow, der aus seiner Zeit im Ministerium über viele ausländische Kontakte verfügte, eine (vom Reichswehrministerium genehmigte!) Auslandsreise antreten wollte, wurde er noch im Inland von der Gestapo festgenommen, ein Umstand, der später zum Vorwand genommen wurde, um ihn des Hoch- und Landesverrats zu beschuldigen.
Carl-Hasso von Bredow berichtete, während des sogenannten Röhm-Putsches seien am 30.06.1934 zunächst von Schleicher und seine Frau in ihrem eigenen Haus erschossen worden. Die Warnung eines ausländischen Diplomaten, auch von Bredow sei in Gefahr und er solle sich zu ihm in die Botschaft flüchten, habe von Bredow nicht ernst genommen.
Einen Tag später lebte auch von Bredow nicht mehr. Auch nachdem die Gestapo viele Unterlagen seines Vaters abgeholt habe, habe man die Familie, seine Witwe und seinen achtjährigen Sohn, tagelang im Ungewissen gelassen.
Später wurde die Urne des Ermordeten mit der Auflage ausgehändigt, diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Bewachung der Gestapo beisetzen zu müssen. Zu groß sei offenbar die Angst gewesen, an der Trauerfeier hätten auch Wehrmachtsangehörige teilnehmen können.
Carl-Hasso von Bredow zeigt sich tief enttäuscht über das Verhalten der Wehrmacht: „Wenn wenigstens mal einer gesagt hätte: Der Bredow ist kein Landesverräter. Aber es ist nie geschehen.“
So habe auch er mit dem Makel leben müssen, als Sohn eines Landesverräters zu gelten. Hitler habe einige Tage später selbst ein Gesetz beschlossen, das alle Morde im Umfeld des „Röhm-Putsches“ mit „Staatsnotwehr“ begründete und legalisierte. Damit, so mutmaßt von Bredow, sei wohl auch ein möglicher Protest des Militärs erstickt worden.
Er wurde auch gefragt, ob ihm denn sein christlicher Glaube in seinem Leben eine Stütze gewesen sei.
Das bejaht er ausdrücklich. Seine Mutter sei gerne mit ihm in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gegangen, obwohl dies nicht ihre Gemeindekirche gewesen sei. Er sei dann später richtig in die Kirche hineingewachsen. Sein Pfarrer, zu dem er in den Konfirmandenunterricht gegangen sei, sei für ihn sehr wichtig gewesen. Zudem sei seine Mutter sehr gut darin gewesen, ihm Entschuldigungen zu schreiben, sagt er mit einem Augenzwinkern. So habe er oft auch die Veranstaltungen bei der Hitlerjugend am Sonntag „schwänzen“ können, um in dieser Zeit den Gottesdienst zu besuchen.
Später sei er dann auch der Kirche immer sehr verbunden gewesen und sei auch viele Jahre im Kirchenvorstand der Matthäusgemeinde in Frankfurt gewesen.
Carl-Hasso von Bredow wurde mit viel Beifall von den Schülerinnen und Schülern verabschiedet. Für einige stand er auch danach noch für spezielle Fragen zur Verfügung.


Erhardt Becker
Religionslehrer AES