Jobs und die deutsche Sprache kennen lernen

Bad Soden. «Sprechen Sie einfach Deutsch», begrüßte Stadtrat Klaus Plösser die rund 60 französischen Jugendlichen aus Bad Sodens Partnerstadt Rueil Malmaison. «Es ist eine leichte Sprache», ermunterte Plösser, «schon unsere kleinen Kinder sprechen Deutsch». Damit hatte der Neuenhainer die Lacher auf seiner Seite, denn prompt hatte Gymnasiallehrer Philippe Thierry seinen Schülern den Text übersetzt. Klaus Plösser empfing die Jugendlichen in der Hasselgrundhalle stellvertretend für Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU), der genau in diesen Tagen eine Rundreise zu Sodens weiteren Partnerstädten Franzensbad und Kitzbühel unternahm.

Enge freundschaftliche Beziehungen zwischen Schülern aus Rueil vom Gymnasium «Les Martinets» und der Albert-Einstein-Schule (AES) in Schwalbach im Rahmen der fast 30-jährigen Städtepartnerschaft zwischen der Kurstadt und Rueil Malmaison gibt es seit gut 13 Jahren. AES-Schüler der 7. Klasse mit Französisch als erster Fremdsprache machen sich einmal im Jahr auf die Fahrt nach Rueil, nehmen dort am Unterricht teil, wohnen in Familien, mit denen sie auch Ausflüge unternehmen. Unter den gleichen Bedingungen kommen französische Schüler nach Bad Soden und Schwalbach. Dieses Mal sind es 29 Mädchen und Jungen im Alter von 13 Jahren, und wie der verantwortliche Lehrer Gerhard Bumb von der AES erklärt, sind unter anderem Fahrten nach Frankfurt ins Senckenberg Museum, nach Mainz und zum Schloss Freudenberg in Wiesbaden geplant.

Zum ersten Mal sind unter der Besuchergruppe auch sechs Schüler vom Lycée «Richelieu», die im Rahmen eines privaten Schüleraustauschs vier Wochen hier bleiben werden. Sie besuchen den Unterricht in der AES und wohnen in Familien, deren Kinder im März/April dieses Jahres in Rueil Malmaison waren. Seit vier Jahren existiert zusätzlich ein Austausch von 10 bis 15 Berufspraktikanten, wobei die deutschen Schüler von der AES zwei Wochen in Rueil verbringen und die Franzosen im Gegenzug acht bis zehn Tage in der Kurstadt.

In diesem Fall sind es französische Schüler des Lycée «Richelieu», die von den Lehrern Philippe Thierry und Sylvie Célic begleitet werden. In der europäischen Klasse des Gymnasiums wird vorzugsweise Deutsch unterrichtet. Für die 15 bis 16 Jahre alten Jugendlichen konnten verschiedene Praktikumsplätze organisiert werden: in städtischen Kindergärten, in einer Rechtsanwaltskanzlei, einer Arztpraxis sowie einem Architekturbüro oder wie der 16 Jahre alte Felix, der in der Abteilung Stadtmarketing im Sodener Rathaus eine Stelle gefunden hat. An seinem ersten Arbeitstag, berichtet Felix, habe er Broschüren gelesen und sich ein Bild von der Kurstadt gemacht. Mit seinen Arbeitskollegen wolle er nur Deutsch sprechen, sagt der 16-Jährige, «denn ich bin ja hier, um die Sprache zu verbessern». Allgemein klappe es mit der Verständigung gut, bestätigt Lehrerin Monika Beck von der AES, die maßgeblich bei der Vermittlung der Praktikantenstellen beteiligt ist. Einige Franzosen sprächen sehr gut Deutsch, manche seien noch ängstlich, das könne aber bei der Auswahl des Praktikums berücksichtigt werden. In jedem Fall hält sie die Erfahrung im Berufsleben eines befreundeten Landes für sehr positiv. Von der «Bosch-Stiftung», die Freundschaften zwischen Deutschland und Frankreich fördert und alle zwei Jahre einen Preis ausschreibt, wird die Schwalbacher Französischlehrerin just in diesem Juli für ihr privates Engagement geehrt.

von Brigitte Kramer

Printausgabe Höchster Kreisblatt vom 16.06.2004