Der Pianist - Zeitzeugengespräch

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Der Pianist - ein Film, der unter die Haut geht

Es ist ein Film, bei dem jeder weinen muss, der ein Herz hat... (Eine Schülerkritik)

 

Im Rahmen des Geschichts- und PoWi-Unterrichts haben wir, die Klassen 10E und 9B der Albert-Einstein-Schule, uns am 24.03.04 im Bürgerhaus in Schwalbach/Ts. den "Pianisten" angesehen.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus lebten Tausende Juden in Warschau. Ihnen wurden sämtliche Rechte entzogen, sie durften sich an fast keinen öffentlichen Orten aufhalten, wurden diskriminiert, ausgegrenzt und erniedrigt.

Dieser 145 Minuten lange Film beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich in Polen ereignet hat. Regisseur ist Roman Polanski, der selbst ein polnischer Jude ist und das Buch von Wladyslaw Szpilman gelesen hat.   Die Hauptperson ist der Pianist Wladyslaw Szpilman, der sehr gut und eindringlich von Adrien Brody dargestellt wird. Die Umsetzung ist gut gelungen und erscheint sehr realistisch. Dadurch, dass sich auf eine spezielle Person bezogen wird, wird   das Thema nahe gebracht. Man hat das Gefühl, als sei man selbst am ergreifenden Geschehen beteiligt.

Es gibt viele Filme, die auf das Thema des Dritten Reichs eingehen, jedoch ist keiner so tiefgründig wie "Der Pianist". Allerdings sind wir der Meinung, dass der Film für Kinder ab 12 Jahren nicht geeignet ist, da er eine Menge brutaler Szenen aufweist, die im Detail gezeigt werden. Außerdem ist die Thematik schwer zu begreifen und zu verdauen. Viele Schüler verließen sehr bewegt die Vorstellung.

Die Musik passt sich immer der Stimmung der jeweiligen Situation an und verstärkt die Emotionen. Die "Kulissen" sind während des ganzen Films sehr düster und eintönig. Sie passen sich ebenfalls, wie die Musik, dem Geschehen an. Der Film verherrlicht in keiner Weise die damaligen Ereignisse, sondern zeigt wie es wirklich war.

Nach Befragung unserer Mitschüler kamen wir zum Ergebnis, dass "Der Pianist" für jeden sehenswert ist.

Wer Interesse daran bekommen hat den Film selbst einmal zu erleben, kann am 14.04.04 um 20.00 Uhr im Bürgerhaus Schwalbach vorbeischauen. Der Eintritt ist frei. Am 19.04.04 hält Uta S. Hosenfeld, die Tochter des Wehrmachtsoffiziers, der Wladyslaw Szpilman gerettet hat, eine Lesung aus Briefen und Tagebuchauszügen ihres Vaters. Dies findet ab 20.00 Uhr in der Stadtbücherei in Schwalbach statt und kostet 3€. Für uns Schüler wurde eine Sonderlesung mit der Tochter des Offiziers organisiert.

 

Geschrieben von Andrea Hofmann (10E), Katharina Meckbach (10E) und Zoran Sergievski (9B)

 

Die Tragik des Durchschauens

Höchster Kreisblatt vom 21.04.2004 von Jürgen Dehl

Schwalbach. Da ist einer Nazi. Nicht nur mit Ach und Krach. Er ist es aus Überzeugung. Wird schon verhältnismäßig früh Mitglied der braunen Partei. Dann wird der Teilnehmer des Ersten Weltkriegs wieder in den Krieg geschickt. Ist ein Mann, ein Offizier, der ersten Stunde, rückt in Polen ein. Er erlebt, was die Vertreter der "Kulturnation" anrichten. Scham wohnt fortan in diesem Menschen, der den Namen Wilm Hosenfeld trägt. "Die Tragik des Durchschauens", so Tochter Uta S. Hosenfeld hatte Oberst Hosenfeld heimgesucht. Zu spätem Ruhm gelangte Hosenfeld durch den mit Preisen überschütteten Film "Der Pianist" von Roman Polanski. Wilm Hosenfeld war jener Offizier, der dem jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilmann in Warschau das Leben rettete.

Tochter Uta Hosenfeld war zum "4. Polnischen Kaleidoskop" eingeladen worden, um aus den Briefen und Tagebüchern ihres Vaters zu lesen. Die Gunst der Stunde wurde genutzt. Uta Hosenfeld las vormittags in der Stadtbücherei für eine 9. und 10. Klasse der Albert-Einstein-Schule.

Die Dokumente werden im Juni unter dem Titel "Ich versuche jeden zu retten" bei der Deutschen Verlagsanstalt (ISBN 3-421-05776-1) erscheinen. Damit wird ein Teil der Geschichte des Dritten Reiches in bisher ungeahnter Nähe dargestellt. Wilm Hosenfeld schrieb über 1000 Briefe an seine Familie, die authentisch die Geschehnisse in und um Warschau widerspiegeln. Zugleich zeichnen diese Briefe und Tagebuch-Notizen die grauenhafte Zerrissenheit eines Menschen auf, der unter den Augen seiner Mitmilitärs 30 polnische Arbeiter beschäftigt, sie sollen Sportstätten für die "Herrenmenschen" herrichten, von denen einige "Untergetauchte" sind. Hosenfeld hat sie mit falschen Papieren ausgestattet. Offenbar entwickelt sich zu einem versteckten Priester Freundschaft. Schließlich lernt der merkwürdige "Nazi" gar die Sprache der "Untermenschen". Abscheu lenkt die Feder auch am 14. Dezember 1939, als Hosenfeld seiner Familie schildert, wie Polen den "Wasgau" räumen müssen, um für Deutsche Raum zu schaffen. Zusammengepfercht in einem Viehtransport sind diese Menschen drei Tage unversorgt unterwegs: "Das Unglück schneidet mir ins Herz." Und weiter: "Ich möchte um Verzeihung bitten." Schließlich wird Hosenfeld klar, dass in dieser Behandlung System liegt: "Sie sollen umkommen."

Der Bildungsbürger ist entsetzt, weil die Denkmäler der großen Polen - darunter jenes von Chopin - niedergerissen werden. Er wird Zeuge, wie ein halb verhungerter jüdischer Junge Kartoffeln durch eine Maueröffnung ins Getto schmuggeln will und erbarmungslos von Nazischergen zusammengeschlagen wird. Am 15. Januar 1943 schildert der Mann, der sich um einen aufrechten Gang bemüht, wie die polnischen Bauern vertrieben werden. Die Kinder werden ins "Reich" verfrachtet, die Alten erschossen. Einen dieser Kindertransporte versucht die Bevölkerung zu stürmen. Die Menschen wollen die Kinder aufnehmen. Die Nazis veranstalten "Menschenjagden" und Hosenfeld erkennt: "Es sind Wahnsinnige." Immer wieder auch der Satz: "Ich schäme mich."

Die von ihren Lehrern Kathrin Huwe und Volker Kocanda glänzend vorbereiteten Schüler entfachten ein Gespräch, das auch Uta Hosenfeld begeisterte. Vor allem der Zwiespalt des Vaters, des "guten Menschen", der "dem Bösen zur Macht verhalf", beschäftigte die hellwachen, jungen Menschen.