"Halbstark" - Jugendbilder des 20. Jahrhunderts
Der Kurs DS 13 (Herr Müller-Droste) der AES präsentiert gemeinsam mit dem Chor und dem LK Musik 13 (Frau Dimpl) eine Revue, die das letztjährige Projekt „Geschichten zur Geschichte“ abschließt.
Wie bereits in der ersten Produktion "Denk ich an Deutschland..." im Schuljahr 2003/04, basiert die Eigenproduktion der Abiturienten auf Literaturvorlagen, selbst entwickelten Szenen und Ergebnissen eines kreisweiten Schreibwettbewerbes, der vor 2 Jahren zum Thema "Geschichten zur Geschichte" veranstaltet wurde. Songs, Schlager und Gassenhauer fließen in die szenische Präsentation ein.
Der Bilderbogen beleuchtet schwerpunktmäßig die Lebenslage und das Lebensgefühl der Jugend von der Kaiserzeit bis zum wiedervereinigten Deutschland der neunziger Jahre. Mal heiter, mal nachdenklich, dann wieder grotesk verzerrt wird ein Panoptikum entstehen, das die unterschiedlichsten Figuren von der Wandervogelbewegung, über Swing - Kids, Halbstarke, Studentenbewegte bis hin zur „Generation Golf“ auftreten lässt, wachgeküsst von den naiven Fragen eines 10jährigen Mädchens und den bemühten Antworten ihres Großvaters, einem Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts.
Wie Marionetten, ferngesteuert und in ein Korsett gezwängt, aber auch frei und losgelöst, erscheinen in dieser Produktion durch die typisierten Rollenfiguren hindurch jene Jugendlichen, die den Verlauf der Geschichte ertragen mussten. Sie waren bestrebt, dem Spießertum und selbst der Diktatur etwas entgegen zu setzen, politisch oder subkulturell - jedenfalls immer provozierend und punktuell auch gesellschaftlich verändernd.
Eintritt: 5€ Erwachsene, 3,50€ Schüler/innen
Nach Abschluss des "Jahrhundertprojekts" ist eine Veröffentlichung der beiden Produktionen "Denk ich an Deutschland" und "Halbstark" sowie einiger ausgewählter Geschichten des Schreibwettbewerbs in Buchform geplant.
Bericht in der Frankfurter Rundschau vom 23.11.2004 (jpg)
Parodie ist die Stärke der Revue
Printausgabe Hoechster Kreisblatt vom 25.11.2004
von Jürgen Dehl
Schwalbach. Premiere. Die übliche, unterdrückte Nervosität und dann sich frei spielen. Für den Kurs «Darstellendes Spiel» (Stufe 13) – Lehrer Gerd Müller-Droste – der Albert-Einstein-Schule war es nun soweit: Das Projekt «Geschichten zur Geschichte» wurde mit der theatralischen Revue «Halbstark» abgeschlossen. In der Revue geht es um «Jugendbilder des 20. Jahrhunderts». Weitere Aufführungen: Donnerstag, 25., und Freitag, 26. November; Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Obgleich der Schreiber einige Bedenken hegt, empfiehlt er den Besuch.
Die Bedenken
und Einwände sind vor allem dramaturgischer Natur. Vielleicht klingt
das etwas kurios: Aber es gibt zu mächtige Textberge, in denen sich zu
viele Fakten verbergen und das ist etwas lähmend. Obendrein ist ziemlich
oft der pädagogische Zeigefinger sichtbar. Irritierend zudem, wenn etwa
Wolfgang Borcherts wunderbare Geschichte «Nachts schlafen die Ratten
doch» nacherzählt wird und somit des Dichters geschliffene Sprache
automatisch etwas dünn wird. Eine andere Szene zeigt, dass auch manche
Theaterstücke sterblich sein können. Gemeint ist «Lovely Rita»
des einstmals gefeierten Thomas Brasch. Mit den Textbergen müssen vor
allem Miriam Daub und Niels Elzenheimer kämpfen, die per Frage-Antwort-Spiel
durch die Szenen führen.
Doch gibt es in «Halbstark» auch schöne und große Momente.
Dazu sei eine pralle und komödiantische Szene gerechnet, die sich schlicht
«Talkshow» nennt und ein witziges Prachtgemisch aus Hintersinn,
Gemeinheit und Verblödung ist. Anna Hübers legt eine staunenswerte
Moderatorin hin. Anders: Wer so auf doof spielt, muss ziemlich klug sein.
Überhaupt wurde das Stück am besten, wenn es ums Parodieren und
Persiflieren ging. Gleich, ob einer der jungen Schauspieler Walter Ulbricht,
Adolf Hitler oder sonst wen gab. Das war gekonnt. Dabei schoss vielleicht
Christian Parra Sánchez als Rudi Dutschke den Vogel ab. Er traf Tonfall
und Gestik mit enormer Präzision. Simon Thür zeigte als Schüler
Moritz Stiefel (eine Szene aus Wedekinds «Frühlingserwachen»
war eingebaut) und «Ossi», dass er aus kleinen Sachen etwas machen
kann. Auch der quirlige Alexander Geidt gefiel. Doch trotz guter und ausgezeichneter
schauspielerischer Leistungen blieb die Befindlichkeit junger Menschen verborgen.
Gerne hätte man mehr erfahren über Wünsche und Sehnsüchte
und Lebensgefühl von Jugendlichen.
Ein dickes, dickes Kompliment muss dem Chor gemacht werden, der unter Leitung
von Annette Dimpl prachtvolle Songs der jeweiligen Zeit bot.
Über das Projekt, das zwei Jahre lief und mit einem Schreibwettbewerb
begann, wird es eine Dokumentation geben.

