Tönender Alltagsklang fürs Erhabene
Höchster Kreisblatt Printausgabe vom 27.02.2004
Von
Jürgen Dehl
Schwalbach. Das Fach nennt sich "Darstellendes Spiel",
und die jüngste Premiere in der Albert-Einstein-Schule zeigt wieder,
welch albernes Geklingel diese Bezeichnung ist. Nichts Geringeres geschieht
in diesem Fach, als ein Erkunden des Lebens mit den Mitteln künstlerischen
Handwerks. Der Kurs (Jahrgangsstufe 13) von Theaterlehrer Michael Gonszar
gab seiner Arbeit den weit gespannten Titel "Anfang und Ende". Gonszar
und sein junges Team liefern viel Vorrat fürs Denken.
Zum Stück: Die Welt ist ein Reißwolf. Bevor Menschen darin zerrupft
und zerstückelt werden, zitieren sie Goethe, Peter Handke und in Glücksfällen
sich selbst. Halt! Wie hieß es? "Handke ist Opa-Theater der Siebziger."
Was ist bleibend? Es überrascht: Der tonnenschwere Bronzenamen Goethe.
Und von ihm ausgerechnet Faust II, Bildungsgut als solches. Die Schüler
entfernen den Lorbeerbehang und reißen die meterhohen Sockel ein, die
den Normalo von dem hehren Dichtwerk, von der Gedankenlast und von den Worttonnen
angeblich trennen. Die Jugendlichen geben dem Erhabenen tönenden Alltagsklang,
damit sein Zauber wirkt. Vom Blei befreit sind diese Sätze sprudelnde
Quellen. Das Stück, eine Collage unterschiedlicher Zutaten, hat keine
vordergründige Handlung.

