Astronomie - Schüler als Sternenkundler
Einstein-Schüler als Sternenkundler
Von Anne Zegelman
(Printausgabe
Höchster Kreisblatt, 18.01.2006)
Schwalbach. Zwei gleißend helle Punkte rotieren auf der Leinwand im
Hörsaal. Während der so genannte «Mizar B» schnell seine
Bahnen zieht, bewegt sich der größere «Mizar A» eher
träge. «Hier wirkt es so, als würde B sich nur um A drehen»,
erklärt Aylin Özülker und zeigt mit einem Zeigestab auf die
grellen Punkte. «Das sieht jedoch nur so aus, weil A größer
ist und der Schwerpunkt näher bei ihm liegt. In Wirklichkeit drehen sich
beide umeinander.»
Christine
Nebel und Aylin Özülker (beide 17) beschäftigen sich in ihrem
Astronomiekurs mit Doppelsternen und anderen Phänomenen der Sternenkunde.
In einem Vortrag an der Albert-Einstein-Schule (AES) erklärten die beiden
Schülerinnen in der vergangenen Woche, was die Kepler'schen Gesetze sind,
wie man die Entfernung zwischen zwei Sternen berechnet und was sich hinter
dem «Hertzsprung-Russell-Diagramm» verbirgt. Für Laien sind
das schwierige Vokabeln, die beiden Gymnasiastinnen konnte das nicht schrecken.
«Wir haben schon mal ein Referat über das Thema gehalten»,
sagte Christine Nebel. Doch obwohl die beiden jungen Frauen geübt sind,
waren sie bei ihrem Vortrag dann doch aufgeregt. Denn vor immerhin fast 50
Besuchern zu sprechen, war für beide eine neue Erfahrung.
Der Vortrag «Das Leben der Sterne – Fakten und Berechnungen» gehörte
zu den gemeinsamen Veranstaltungen der Schule mit dem Schwalbacher Arbeitskreis
«Wissenschaft – Technologie – Wirtschaft» (WiTechWi). Regelmäßig
arbeiten Schüler der AES mit dessen Mitgliedern zusammen, präsentieren
Erarbeitetes aus dem Unterricht oder besuchen Vorträge des Arbeitskreises.
«Mittlerweile ist die Zusammenarbeit so eng geworden, dass unsere monatlichen
Veranstaltungen fast immer hier im Hörsaal stattfinden», so Arbeitskreis-Leiter
Klaus Beeg.
Klar, dass zum Vortrag von Christine Nebel und Aylin Özülker deshalb
neben Freunden auch interessierte Mitglieder des Arbeitskreises kamen. Viele
der WiTechWi-Aktiven sind selbst Akademiker, Wissenschaftler oder begeisterte
Hobby-Forscher. Vor ihrer Kritik hatten die Schülerinnen keine Angst.
«Wir haben im Unterricht zugehört und fühlen uns gut vorbereitet.»
Was die beiden Nachwuchs-Astronominnen über die Sternenkunde wissen,
haben sie von Ulrich Froeseler gelernt. «Astronomie ist an unserer Schule
ein Wahlpflichtfach für die neunten und zehnten Klassen», erklärt
der Physiklehrer. «Mittlerweile bieten wir es schon zum dritten Mal
in Folge an, das Interesse hat stark zugenommen.» Christine Nebel und
Aylin Özülker gehören zur ersten Klasse, die sich in den damals
neuen Kurs eingetragen hat.
Offiziell sind diese Stunden mit «Wahlpflichtkurs Physik» betitelt.
«Doch Ohm'sche Gesetzte behandeln wir nicht, es geht wirklich zwei Jahre
lang um die Sterne», betont Froeseler, der Astronomie im Nebenfach studierte.
Vor drei Jahren hat der engagierte Naturwissenschaftler die Schulleitung von
der Notwendigkeit eines solchen Kurses überzeugt. «Das Extreme
an der Astronomie fasziniert mich», schwärmt Froeseler. «Und
diese Faszination versuche ich, an die Schüler weiterzugeben.»
Bei Christine Nebel und Aylin Özülker hat das bereits geklappt.
Zwar kann keines der Mädchen sich vorstellen, später Astronomie
zu studieren. «Aber es wird immer ein Hobby von uns bleiben»,
sind sie sich einig. AES-Fachbereichsleiterin und WiTechWi-Mitglied Monika
Zieleniewicz freut sich unterdessen über die enge Zusammenarbeit zwischen
Schule und Arbeitskreis. «Die Arbeit ist bis zum Jahr 2007 schon durchgeplant»,
verkündet sie optimistisch.
Das Thema des nächsten Vortrages, zu dem WiTechWi und AES gemeinsam einladen,
steht natürlich auch schon fest: Am Mittwoch, 15 Februar, informiert
Helmut Riebel über Akkumulatoren, er erklärt Aufbau, Funktionsweise
und Pflege dieser wirtschaftlichen, elektrochemischen Energiespeicher und
führt gemeinsam mit AES-Schülern Experimente dazu vor. Die Veranstaltung,
zu der Interessierte willkommen sind, beginnt um 19.30 Uhr im Hörsaal
der Albert-Einstein-Schule in der Straße Ober der Röth.

