Schulgartenerneuerung
Verwilderter Garten wird Kelterparadies
Die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach erntet Obst, rodet Wurzeln und verlegt den Unterricht ins Freie
Das Schwalbacher Albert-Einstein-Gymnasium hat seinen Schulgarten neu gestaltet. Das Ergebnis: Kinder, Jugendliche und Lehrer ernten reichlich Äpfel auf einer naturnahen Streuobstwiese. Und ein Hornissennest gibt es auch.
Printausgabe der Frankfurter Rundschau
vom 8.10.2004
VON ANNETTE FRIAUF
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Schwalbach · 7. Oktober ·
Mindestens fünf Zentner hat Rudolf Oehl bereits in den großen Pausen
an die Schülerinnen und Schüler "verfüttert". Jeweils
zwei Eimer Äpfel jeweils schleppte der ehrenamtliche Schulgärtner
pünktlich zum Gong herbei. Für die Ernte hat er sich eigens einen
Traktor mit Schaufel bestellt. Wie in einem Lift lässt Oehl sich in die
Baumkronen hieven, um die reifsten pflücken zu können.
Für die unteren Äste reicht eine Leiter aus. Die Äpfel müssen
ab, die schuleigene Kelter ist schon in Betrieb. Oehl braucht Hilfe. "Können
Sie mir noch eine Schulklasse zum Pflücken organisieren?", fragt
er die stellvertretende Schulleiterin Anke Horn.
Verwilderter Garten
Oehl ist eigentlich Pensionär. Der Lehrer außer Dienst hat die
Umgestaltung des völlig verwilderten Schulgartens ein Jahr lang federführend
betreut. Etwa 3000 Quadratmeter uralter Streuobstbestand gehört dazu,
Teil eines Gürtels, der sich um Alt-Schwalbach herum zieht. Mit Hilfe
des Kreises und des Vereins Main-Taunus Streuobst ließ das Gymnasium
die Wiese großflächig entbuschen und die Wurzeln roden. Die Fläche
wurde gefräst, planiert und neu eingesät. In die Lücken pflanzte
eine Firma zehn Hochstämme und acht Obstbüsche.
Einige Baumstümpfe wurden bewusst stehengelassen. "Sie werden von
Vögeln im Lauf der Jahre regelrecht klein gehackt", erklärt
Oehl. Neben Larven und kleineren Insekten haben Hornissen den Schulgarten
erobert und in einem Stumpf ein Nest gebaut. Hornissen verschmähen Äpfel,
sie stören den Aufenthalt auf der Wiese kaum. Auf ihrem Beutezug nach
kleineren Insekten fliegen sie "gern rüber zur VDO und in die Gegenrichtung",
hat Oehl beobachtet.
Neben dem Pensionär betreuen Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10
den Garten im Wahlpflichtunterricht. "Fächerübergreifend"
decke der Lehrstoff biologische, chemische und physikalische Themen ab, sagt
Lehrerin Astrid Doss, Fachsprecherin Biologie. Wie erstmals im vergangenen
Jahr geht erneut die schuleigene Kelter in Betrieb, die Doss von einem Obstbauverein
erworben hat. Doss' Leistungskurs verarbeitet die Äpfel zu Süßem.
Ganz frisch wurde er am Donnerstag beim Albert-Einstein-Abend ausgeschenkt.
Den restlichen Most produzieren die Oberstüfler zu Apfelwein. Zu Weihnachten
wird er verkauft. Der Erlös des Stöffches fließt zurück
in den Schulgarten.
Aber die Schule denkt nicht nur an den eigenen Genuss, sondern auch an die
Bienen, die Schmetterlinge und alle anderen Besucher, die den Garten bereichern.
Haselnuss, Holunder, Schneeball, Heckenkirsche, Felsenbirne, Schlehe und Sanddorn
zeigen sich nach einem Jahr im Herbstkostüm.
Aus der Wildnis hinter der Schule ist ein nützliches Biotop geworden
Printausgabe des Höchster Kreisblattes vom 12.10.2004
Von
Jürgen Dehl
Schwalbach. Der Dschungel war nicht ertragreich und sah auch
nicht gut aus. Denn hinter der Albert-Einstein-Schule begann der Urwald. Das
Gymnasium verfügt über einen 6000 Quadratmeter großen Garten.
Etwa die Hälfte davon sind Wald – mit einem wunderschönen, alten
Baumbestand und Teich. Die andere Hälfte ist eine Streuobstwiese. Und
die war mit Brombeergesträuch und allerlei üppig wuchernden Gestrüpp
zugewachsen. Die Apfelbäume trugen nichts mehr, und auch die Brombeeren
mochten keine Brombeeren mehr tragen.
Schulleiter Edgar Nebel bat im vergangenen Jahr den neuen Biologielehrer der
Schule, Dr. Rudolf Oehl, um ein Konzept, damit aus der Wildnis etwas Nützliches
werde. Unterstützt vom Schulbauamt des Kreises und vom Verein «Main-Taunus-Streuobst»
wurden rund 700 Quadratmeter der Streuobstwiese freigelegt. Dann mussten 18
alte mächtige Apfelbäume geschnitten werden.
In
Baumlücken wurden zehn hochstämmige Obstbäume und acht Obstbüsche
gepflanzt. Die großen Bäume werden in 12 bis 15 Jahren Blüten
und Früchte tragen. Die kleinen Büsche in zwei Jahren. Sie haben
den Vorteil, dass Schüler im Biologie-Unterricht ohne Leiter im Frühjahr
sehen können, welche Vielzahl unterschiedlicher Insekten die Blüten
besuchen. Die abgestorbenen Bäume blieben übrigens für die
Vögel stehen. Das Federvieh wird in einigen Jahren die Stämme klein
gehackt haben; denn allerlei leckere Larven und Insekten sind im Altholz zu
finden. In diesem Jahr brütete ein Starenpaar in einer Baumhöhle.
Jetzt haust ein rücksichtsvoller Hornissen-Schwarm darin. Wie Dr. Oehl
berichtete, fliegt der unangenehme, aber nützliche (Hornissen futtern
Insekten) Schwarm nie in Richtung Schule.
Die Apfelernte fiel in diesem Jahr bestens aus. Dr. Oehl hat mittlerweile
rund fünf Zentner an die Schüler «verfüttert».
Doch nicht alles ist echtes «Ess-Obst». Üppig hängen
Bäume mit kleinen roten Äpfeln voll. Die gehören in die Obhut
von Biologielehrerin Astrid Doss und der Stufe 13 des Leistungskurses Biologie.
Recht praktische Arbeit wird da geleistet; die Äpfel werden gesäubert
und geschnippelt. Dann zerkleinert und schließlich gepresst zu wohlschmeckendem
«Süßen».
Der gesunde Saft wird in der Schule verkauft, und die Einnahmen können
wieder in die Streuobstwiese investiert werden. Aber ein gewisses Quantum
wird zu Apfelwein gekeltert. Astrid Doss hat dazu wunderschönes, uraltes
Gerät erstanden. Was mit dem Apfelwein passiert? Astrid Doss versichert:
«Der wird natürlich nicht in der Schule an Schüler verkauft.
Nur im Lehrerzimmer.»
Pressemitteilung der AES
Die Albert- Einstein-Schule in Schwalbach am Taunus besitzt neben den Grünflächen um die Gebäude und den Parkplatz einen über 6.000 m² großen Schulgarten mit Teich , Hecken und großen alten Bäumen.
Eine Teilfläche davon mit ca. 3.000 m² ist eine Streuobstwiese mit z. T. sehr alten Obstbäumen, ein Restbestand des früheren Streuobstwiesengürtels um Alt Schwalbach.
Im Verlauf der letzten 20 Jahre hatten sich die Hecken und die Wurzelaustriebe von Pflaumen- und Mirabellenbäumen immer weiter in die Streuobstwiese hinein ausgebreitet. Dadurch stand ein Teil der alten Obstbäume mitten in den Hecken. An anderen Stellen hatten bis fast 3 m hohe, im Innern abgestorbene Brombeerhecken mit mehrere Meter langen Austrieben und nur wenigen Früchten Teilflächen des Schulgartens überwuchert.
Auf Veranlassung des Leiters der Schule, Herrn Oberstudiendirektor Edgar Nebel erstellte 2003 der neu an der Schule tätige Lehrer Dr. Rudolf Oehl eine Neuplanung. Mit tatkräftiger Unterstützung des Schulbauamtes des Main-Taunus-Kreises und einem Zuschuss des Main-Taunus-Streuobst e.V. wurden rund 700 m² der Streuobstwiese entbuscht, die Wurzeln gerodet, 10 hochstämmige Obstbäume und 8 Obstbüsche in die Bestandslücken gepflanzt,
18 alte große Obstbäume gründlich beschnitten und die gesamte Fläche der Streuobstwiese gefräst, planiert und neu eingesät.
Die 2 m hohen Baumstümpfe abgestorbener Obstbäume wurden bewusst stehen gelassen. Sie werden im Lauf der Jahre von den Vögeln auf der Suche nach Insekten und deren Larven regelrecht kleingehackt. In der Höhle eines Baumstumpfes brütete im Frühjahr ein Star, anschließend haben sich Hornissen dort eingenistet und werden von den Schülern mit besonderem Interesse beobachtet.
Im angrenzenden Teil des Schulgartens wurden die Brombeerhecken gerodet und auf einer Fläche von ca. 600 m² durch 150 einheimische Heckengehölze ersetzt (Haselnuss, Holunder, Schneeball, Heckenkirsche, Traubenkirsche, Felsenbirne, Schlehe, Sanddorn, Wildrosen und andere) sowie eine Sommerlinde und eine Winterlinde angepflanzt.
Die Pflegearbeiten an den alten Obstbäumen haben sich gelohnt. Sie hängen in diesem Jahr voller Äpfel, die jetzt von der Biologielehrerin Astrid Doss mit ihrem Leistungskurs Biologie der Stufe 13 geerntet und in der von Frau Doss im vergangenen Jahr besorgten großen Kelter zu „Süßem“ gekeltert und danach zu Apfelwein verarbeitet werden.
Die frühreifen essbaren Äpfel wurden von Dr. Oehl gepflückt und mit weiteren guten Äpfeln von Streuobstwiesen der Stadt Schwalbach in den großen Pausen an die Schüler verfüttert, bisher insgesamt etwa 5 Zentner.

