Berufsberatung aus erster Hand

Höchster Kreisblatt, 05.12.2006


Schwalbach. Eltern beraten Jugendliche bei der Berufswahl: Das an sich ist ja noch nichts Ungewöhnliches. Aber der Stil, in dem diese Idee an der Albert-Einstein-Schule (AES) umgesetzt wurde, hat es in sich: Gut 300 Schüler aus den 10. bis 13. Klassen ließen sich von Eltern aus der Schulgemeinde über 31 Berufsfelder aufklären. Das neuartige Konzept, entwickelt vom Schulelternbeirat, funktionierte ausgezeichnet.

„Als wir vor fünf Monaten angefangen haben, Eltern für dieses Projekt anzusprechen und es zu organisieren, waren wir unglaublich überrascht, wie enorm die Resonanz war“, freute sich Kerstin Wenz, Vorsitzende des Schulelternbeirates, in ihrer Willkommensrede. Unter den Berufsbildern, die die Schule vorstellte, herrschte große Diversität: Vom Chemiker über Apothekerin, Diplomkaufmann, Banker, Lehrer, Mediziner, Lektor, Physiotherapeut und Pfarrer reichte die Bandbreite bis hin zu den beiden Redakteuren Mathias Geiß vom Höchster Kreisblatt und Arnd Festerling von der Frankfurter Rundschau, die beide an der Schule auch ihr Abitur gemacht haben.
„Wenn das hier ein Erfolg wird, dann können wir Bewerbungstrainings, berufsspezifische Veranstaltungen und Workshops folgen lassen“, so Wenz. Der Weg wurde geebnet: Alle Schüler hatten sich für drei Berufsfelder entschieden, und so hatte Ute Klamert von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn schon in ihrem ersten Vortrag des Tages eine große Gruppe an Schülern. Diese band sie voll ein: „Was stellen Sie sich denn unter diesem Beruf vor?“, fragte Klamert. „Ich denke, dass Sie Projekte in Ländern haben“, sagte die Zehntklässlerin Katharina Kristic. Die Referentin: „Es gibt eine schier endlose Liste an Organisationen und Firmen, in denen man als Entwicklungshelfer arbeiten kann.“ Wichtig sei, dass man Sprachen lerne: „Englisch und Französisch oder Spanisch sind unerlässlich, und wir haben sogar Leute, die fließend Chinesisch und Arabisch sprechen.“ Gereist werde jeden Monat, allein, um zu wissen, was in der Welt um einen herum passiere, betonte die Referentin: „Dafür müssen Sie ein großes Interesse mitbringen.“ Die GTZ sei in 120 Ländern tätig und steige regelmäßig in neuen Ländern ein.

Aus der Zuhörerschaft kamen zahlreiche Fragen: Ein Schüler wollte etwa wissen, wie die Menschen in den Ländern die Entwicklungshilfe wahrnahmen, woraufhin Klamert erklärte, dass der Kontakt heute hauptsächlich mit den politischen Instanzen der jeweiligen Ländern stattfinde. „Wir helfen den Armen nicht mehr direkt, wir geben eher Hilfe zur Selbsthilfe – und wenn wir heute die Hilfe in Südafrika einstellen würden, würde sich dort kaum etwas ändern.“

Die Schüler zeigten sich begeistert vom Angebot ihrer Schule: „Ich habe bestimmte Vorstellungen, wie mein Beruf aussehen kann, und finde es super, dass ich hier die Gelegenheit habe, zu prüfen, ob sie stimmen – und Eindrücke von unseren Eltern zu sammeln“, sagte Katharina, und ihre Kameradin Stephanie Pfitzenmaier fügte hinzu: „Ich schätze die Möglichkeit, mir alles anzuhören, auch die Dinge, an denen ich ursprünglich gar nicht so interessiert war.“

Aus dem 13. Jahrgang kam Julia Huschke, die sich bei dem Referenten Stefan Blumenberg über Wirtschaftsinformatik informiert hatte: „Er ist wirklich persönlich auf uns eingegangen“, sagte sie. „Und wir haben einen praktischen Eindruck davon bekommen, was man während und nach dem Studium machen kann.“ Auch dieser Referent habe sich alle Zeit der Welt genommen, den Schülern zuzuhören und Fragen zu beantworten. (me)