Musikalisch-szenisches Abendprogramm über Mendelssohn Bartholdy
Einstein-Schüler zeichnen ein stimmungsvolles Bild Mendelssohns
(Printausgabe Höchster Kreisblatt, 10.02.2005)
Schwalbach.
«Freudig erregt» habe
Cécile Jeanrenaud 1836 die Ankunft Felix Mendelssohn Bartholdys in
Frankfurt erwartet. «Diese Zeit ist sonderbar. Ich bin so entsetzlich
verliebt», zitierten die Schüler der Albert-Einstein-Schule aus
einem Brief des Komponisten. In einer musikalisch-szenischen Umsetzung von
Briefzitaten und Erlebnissen Mendelssohns, die Jürgen Dehl in seinem
Buch «Ein Genie macht Urlaub» beschreibt, haben sich die jugendlichen
Schauspieler und Musiker Begegnungen gewidmet, die im Leben Mendelssohns von
Bedeutung waren.
Bedeutend war natürlich die Bekanntschaft mit Cécile, die Felix
Mendelssohn Bartholdy im März 1837 heiratete. Ebenso bedeutend war vielleicht
das Kennenlernen der «literarischen Ikone» Johann Wolfgang Goethe
– dargestellt von Pascal Notz als junger Mendelssohn und Sebastian Schmidt
als Goethe. Dass der zwölfjährige Felix bei seinem Treffen mit dem
Dichter wirklich so wortkarg war, wie die Einstein-Schüler es auf der
Bühne darstellten, ist nicht unbedingt anzunehmen; sicherlich aber wird
Goethe an dem musikalischen Talent des Jungen seine Freude gehabt haben. Katharina
Küppers spielte auf der Bratsche den ersten Satz der C-Moll-Sonate, die
Mendelssohn mit 15 Jahren komponierte.
Gelungen
war beim musikalisch-szenischen Abend die Verbindung von Musik, Zitaten und
Schauspielerei ebenso wie die Mischung ernsthafter und eher skurril-witziger
Elemente der Darstellung, auch wenn nicht immer alles hundertprozentig perfekt
geklappt hat. So hatte Sängerin Simone Brunner mit dem Lampenfieber zu
kämpfen, und an manchen Übergängen zwischen Dialogen und Briefzitaten
wackelte es etwas. Von solchen Kleinigkeiten abgesehen zeichneten die Schüler
ein stimmungsvolles und sehr persönliches Bild des Komponisten, mit dem
sich der vor einem Jahr verstorbene Kreisblatt-Journalist Jürgen Dehl
in seinen letzten Lebensjahren beschäftigt hatte. Bei ihrer Interpretation
bewiesen die jungen Leute komödiantisches Talent, zum Beispiel wenn sie
die für das 19. Jahrhundert fortschrittliche Art des Reisens mit der
Eisenbahn veranschaulichten, indem sie einen Zug nachahmten.
«Wenn Jürgen Dehl mir aus seinem Mendelssohn-Buch vorgelesen hat,
wurde er zu einem zweiten Felix», sagte Gerd Müller-Droste, dem
daher schon früh die Idee kam, man könnte Abschnitte des Buchs szenisch
präsentieren. «Ich hatte immer den Eindruck, dass es eine große
Seelenverwandtschaft zwischen dem Autor und dem Komponisten gab», erzählte
der Lehrer. «Mal sehen», habe Dehl auf einen entsprechenden Vorschlag
geantwortet.
Nach dem Tod des Journalisten war die Verwirklichung des Vorhabens für
Müller-Droste auch eine Verpflichtung. Gemeinsam mit Musiklehrerin Monika
Fuchs, einer Auswahl von Musikern und Schülern der 12. Klasse, die das
Fach «Darstellendes Spiel» belegt haben, wurde dann eine Auswahl
von Texten und Musikstücken getroffen. Nicht nur für die Schüler,
sondern auch für das Publikum war diese Beschäftigung mit Mendelssohn
sehr lohnend. (jöh)
Schüler machen Geschichte auf ansprechende Weise lebendig
(Printausgabe Höchster Kreisblatt)
Schwalbach. Für viele Kunst- und Musik-Interessierte
bleibt er unvergessen: Jürgen Dehl. Der im vergangenen Jahr verstorbene
Kreisblatt-Mitarbeiter und -Feuilletonist war stets ein aufmerksamer, kritischer
und interessierter Begleiter der regionalen Kreativszene. Mit seinem Buch
«Ein Genie macht Urlaub», das Felix Mendelssohn Bartholdys Aufenthalte
im Vordertaunus 1844/ 45 zum Thema hat, hinterließ der Journalist ein
bleibendes Werk.
20 junge Leute der Albert-Einstein-Schule präsentieren jetzt eine szenisch-musikalische
Fassung von Episoden aus diesem Buch. Die Aufführung an dem Schwalbacher
Gymnasium (Ober der Röth) ist am Dienstag, 7. Februar.
«Dies
ist ein kreatives Projekt, das allen Beteiligten großes Vergnügen
bereitet und zudem Geschichte auf eine sehr ansprechende Weise lebendig macht»,
wirbt der Vorsitzende der Mendelssohn-Gesellschaft Main-Taunus, Berthold Gall,
für den Besuch der Veranstaltung.
Orchesterleiterin Monika Fuchs und Theaterlehrer Gerd Müller-Droste,
ein langjähriger Freund Jürgen Dehls, haben eine unterhaltsame Mixtur
aus Musikstücken des «Genies» und Szenen aus seinem Leben
zu einem rund zweistündigen Programm verdichtet. Dem «Hochzeitsmarsch»
und «Elfentanz» aus dem «Sommernachtstraum» sowie
weiteren Solo- und Orchesterstücken sind assoziativ-szenische Episoden
beigefügt.
Die Begegnung des hoch begabten, zwölfjährigen Felix mit dem 73
Jahre alten Goethe kommen darin ebenso vor wie die einem Brief an die Schwester
Fanny entnommene Schilderung eines Bad Sodener Sommertagsidylls: «Und
ich liege unter Apfelbäumen und großen Eichen . . . esse Erdbeeren
zum ,Kaffe', zum Mittag und zum Abend, trinke Asmannshäuser Brunnen .
. .» Dass Mendelssohn in dieser Zeit trotz seiner genießerischen
Grundstimmung auch «so manches Notenköpfchen» zu Papier gebracht
hat, ist durch seine Frau Cécile belegt.
Der szenisch-musikalische Abend ist eine Kooperation der Schule mit der Mendelssohn-Gesellschaft.
Er versteht sich einerseits als Hommage an den großen Musiker Mendelssohn.
Er soll aber auch das Wirken des zu früh verstorbenen Autoren Jürgen
Dehl würdigen, der die Bedeutung des musikalischen Genies für den
Vordertaunus jahrelang erforscht hatte.

