Heiße Eisen bleiben außen vor
Schüler verschonen den Bischof
Hoechster Kreisblatt vom 17.06.2005
Von Barbara Schmidt

Schwalbach. Für die meisten war es das erste Mal, dass sie einem „echten“ Bischof begegneten. Bei der Aussendungsfeier der Sternsinger oder bei Messdienertreffen hatten immerhin einige der 33 Oberstufenschüler, die am Freitagmittag im Musiksaal der Albert-Einstein-Schule eine ungewöhnliche Religionsstunde erwarteten, Franz Kamphaus bereits erlebt. „So ein Gespräch ist sicher eine spannende Sache. Sie sollten die dreiviertel Stunde gut nutzen, aus berufenem Mund etwas zu hören“, riet denn auch Schulleiter Edgar Nebel den Schülern, die sich in den katholischen Religionskursen der Stufen 11 und 12 auf die Begegnung mit ihrem Bischof – Teil seines aktuellen Visitationsprogramms im Bezirk Main-Taunus – gut vorbereitet hatten.
Mit ihren
Lehrern Barbara Unger und Jochen Kilb hatten sich die jungen Menschen eine
Menge Fragen überlegt. „Gelöchert“ musste sich Kamphaus am Ende
allerdings nicht gerade fühlen. Noch vor 20 Jahren hätten ihm Jugendliche
wohl weit mehr „auf den Zahn gefühlt“ – Stoff, sich zu reiben, bietet
die katholische Kirche schließlich einigen. Heiße Eisen wie die
Schwangerenkonfliktberatung, Ehescheidung und Patchworkfamilien, Priestermangel
oder die Rolle der Frau in der Kirche wurden immerhin angesprochen, wenn auch
die kritischen Nachfragen ausblieben. „Ich kenne Sie gar nicht so zurückhaltend“,
suchte Religionslehrer Kilb seine Schüler zu ermutigen. „Ich muss kürzer
reden“, gab sich Bischof Kamphaus selbst ein bisschen Schuld daran, dass kein
wirkliches Gespräch entstand.

Doch die Fragen waren zum Teil eben auch von der Sorte, die keine knappen
Antworten verträgt. Wie der Bischof zum Glauben gelangt sei, wollten
die Schüler ebenso wissen wie, was er denn nach dem Ende seiner Amtszeit
machen wird. Sein Glaube, selbstverständlich vermittelt in Familie und
Kirche, sei in einer Zeit gewachsen, in der die „herrschende Meinung“ eine
andere war, im Hitler-Deutschland, erfuhren die jungen Menschen von dem 73-Jährigen.
Dass er es sich „überhaupt nicht vorstellen kann, in Rente zu gehen“,
verriet Kamphaus auch, mochte indes hier nicht konkret werden: „Sonst steht
es morgen im Höchster Kreisblatt.“ Er werde aber seinem Nachfolger „nicht
im Wege stehen“, also wohl lieber im heimischen Münsterland als Priester
„helfen, wo zu helfen ist“.
Doch noch ist er ja Bischof und als solcher gefragt. Dass Religionsunterricht
wichtig ist, weil Glaube nicht nur Privatsache ist, hörten die Schüler.
Und dass Ethikunterricht das Fach Religion nicht ersetzen kann, weil das eine
Verkürzung bedeuten würde. Schwieriger war es da schon, die richtigen
Worte zu finden, als ein Mädchen nach Frauen als Priestern fragte. „Da
kann man nur sagen: Es ist derzeit so.“ Und der neue Papst? Wenn Benedikt
XVI. an seine Anfangszeiten als junger Konzilstheologe „zurückdenkt und
daran anknüpft, dann könnte es sehr spannend werden“, meinte Kamphaus.
Die Schüler waren zufrieden und ließen sich mit einem bischöflichem
Segenswunsch ins Wochenende schicken.

