Eine Menge Spaß tränkt die harte Kost

Printausgabe Hoechster Kreisblatt vom 09.10.2004

Einstein-Gymnasiasten gestalten herrlichen Abend zu Ehren des Schul-Namensgebers

Von Jürgen Dehl

Schwalbach. Mit mächtigem Aufwand, inspiriert von fast kniefälliger Verehrung, gestalteten die jungen Leute der Albert-Einstein-Schule eine Feier zu Ehren des Namensgebers des Gymnasiums. Der Anlass: Vor 125 Jahren wurde das Genie, der «Mann des Jahrhunderts», in Ulm geboren.

Mit Pep eröffnete die Big Band (Leitung Musiklehrerin Annette Dimpl) der Schule die Veranstaltung. Rektor Edgar Nebel beschränkte sich auf eine kurze Begrüßung. Ursprünglich wollte er über Albert Einstein referieren. Doch beim Blick aufs Programm wurde ihm klar, dass seine Schülerinnen und Schüler dem Namensgeber ihrer Schule tief verbunden sind.

Monika Hirte (Stufe 13) stellte den Menschen Einstein vor und vergaß nicht, die Tatsache zu erwähnen, dass der Geniale «kein glänzender Schüler» gewesen ist. Überhaupt wirkt seine «Schulkarriere» auf uns heute etwas verwirrend. Auf Umwegen legte er sein Abitur ab. 1900 erlangte er sein Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik. Mühsam bestritt er seinen Lebensunterhalt. Die akademische Welt stand seinen Erkenntnissen verständnislos gegenüber. Erst 1919 folgte die wirkliche Anerkennung Einsteins. Das mit einem Paukenschlag: Der Präsident der Royal Society, London, merkte zu den Erkenntnissen des Physikers an, dass sie eine der «größten Errungenschaften des menschlichen Denkens» seien. Es führt zu weit, hier das Leben des späteren Nobelpreisträgers ausführlich zu würdigen.

Angemerkt sei, dass er ein guter und leidenschaftlicher Geiger gewesen ist. Seine Vorlieben galten Bach und Mozart. Katharina Meckbach und Luba Grodzenski leuchteten diese Seite von Einsteins Wesen aus. Dabei kam auch die deftige Ausdrucksweise des Genialen zur Sprache: «Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, liebe, verehren und das Maul halten.» Den Vortrag «Albert Einstein und die Astronomie» von Saskia Beyer, David Kemper und Dominic Valentiner (alle Stufe 10) hatte Mark Valentiner (Stufe 11) mit hinreißend schönen Comics ausgestattet.

Nach dem Spaßigen gab es harte Kost. Julian Tödter (Stufe 13) breitete sich über die Relativitätstheorie aus. Gleich im Anschluss gab es noch ein Mal Relativitätstheorie mit Computeranimation. Dafür war Sara Lewandowski (Stufe 11) zuständig. Sara war auch die treffliche Moderatorin des Abends. Allerdings empfand mancher die Vorträge zur Relativitätstheorie etwas zu abgehoben, zu professoral.

Der permanente Einsatz von Bildpräsentationen schuf eine zu große Distanz zwischen Vortragenden und Hörern. Jovana Urban und Anne Zeiß (Stufe 11) arbeiteten bei ihrer herrlichen Zitatensammlung mit einem Präsentations-Programm. Es wurden Fotografien des Großen gezeigt; darüber blendete man Zitate ein. Bei größeren Wortgebilden gab es Verzögerungen, und mit ebendiesen Verzögerungen wurden auch die Zitate gelesen. Das führte zu absurden Verzerrungen. Den Vogel abgeschossen hat Marga Bolay (Klasse 7a), die ein Albert-Einstein-Lied dichtete. Es wurde herrlich vom Schulchor gesungen. Die junge Dichterin hat sich offenbar vom berühmten Bild Einsteins mit rausgestreckten Zunge inspirieren lassen.

Schlichtweg ergreifend waren die pantomischen «Szenen in Anlehnung an ‚Die Physiker» von Friedrich Dürrenmatt (Klasse 9c, Leitung Bettina Tonscheid und Michael Gonszar). Ein Engel behütet die Erdkugel. Allerlei Gestalten bemächtigen sich ihrer. Es wird um sie gekämpft. Schließlich liegen auf der Bühne leblose Gestalten. In der Mitte sitzt ein Junge und hat, in beschützender Haltung, eine Babypuppe im Arm.

Das ließ etwas vom Zwiespalt des «militanten Pazifisten» spüren, der mit seinen Erkenntnissen die Atombombe ermöglichte. Er unterzeichnete auch einen Brief an den amerikanischen Präsidenten, in dem es darum ging, die kerntechnische Forschung zu forcieren. Der Wissenschaftler fürchtete, dass die Nazis an solchen Projekten arbeiteten. Obgleich diese offiziell seine Erkenntnisse als «jüdisches Machwerk» brandmarkten, wurden sie von den braunen Verbrechern benutzt.